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Altersgemäßes Lernen

Auch ein anderer Bildungsgedanke neuerer Zeit, der "einheitliche Bildungsgang von 0 -18" - an den Waldorfschulen wird er seit 1919 verwirklicht. Die Schulzeit an der Waldorfschule wird durch diesen großen Bogen von fast zwei Jahrzehnten zum Übungsfeld, in dem altersgemäßes Lernenals lebenslanges Lernen angelegt wird

Was wird gelernt?

Der Lehrstoff der staatlichen Einrichtungen ist als Kulturgut selbstverständlich auch wesentlicher Bestandteil unseres Lehrplans. Allerdings hängt vieles davon ab, wie man etwas lernt. So werden beispielsweise Fremdsprachen, Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften, Handarbeiten so unterrichtet, dass die vorhandenen oder auch angelegten Fähigkeiten der Kinder entwickelt und gefördert werden. Dieser Grundgedanke bezieht sich auch auf Unterrichtsgebiete, die über die allgemeinen Kulturtechniken hinausreichen: So sollen durch künstlerische oder auch musische Methoden nicht etwa kleine Künstler erzogen, sondern allseitig begabte und entwickelte Menschen herangebildet werden. Das künstlerische Element steht im Mittelpunkt des Unterrichts als entscheidendes Erziehungsmittel, um ein Fundament zu legen für eine umfassende und differenzierte Entwicklung der Sinnesfähigkeiten und schließlich für ein waches, verstandesmäßiges Erkennen der Welt.

Darüber hinaus spielen die künstlerisch-musischen Fächer natürlich eine wichtige Rolle in der Waldorfpädagogik: Malen wird von der 1. Klasse an gepflegt, jedes Kind lernt Blockflöte und meistens noch ein weiteres Instrument spielen. Vom Plastizieren in Ton führt der Weg über das Schnitzen bis hin zu bildhauerischen Arbeiten in Holz und Stein in der Oberstufe. Auch in der Bewegungskunst der Eurythmie, einem ganz waldorfspezifischen Fach, lernen die Schülerinnen und Schüler zunächst, sich geschickt im Raum zu bewegen und zu orientieren. Im Einüben künstlerischer Werke sollen sie dann bewusst ihre Bewegungen so gestalten, dass sie in der Bewegungsführung und im choreographischen Ablauf den übergeordneten Eigenwert eines Gedichtes oder Musikstückes zum Ausdruck bringen. Die Eurythmie ist vom Kindergarten bis zum Schulabschluss im Lehrplan fest integriert.

Epochenunterricht

Eine pädagogische Besonderheit der Waldorfschule ist, dass bestimmte Kernfächer über drei bis vier Wochen täglich in einer Blockstunde unterrichtet werden, während andere Kernfächer in dieser Zeit ruhen. In diesen Epochen - zum Beispiel Lesen und Schreiben, Deutsch, Mathematik, Biologie, Botanik, Physik, Chemie, später auch Kunstgeschichte - hat der Schüler die Möglichkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren und sich vertieft mit einem Stoff auseinander zu setzen, während sich Wissensinhalte anderer Fächer im Geiste setzen können.
Fächer, wie etwa die Fremdsprachen, die der kontinuierlichen Übung bedürfen, werden fortlaufend in den Fachstunden das ganze Jahr hindurch unterrichtet.

Lehrbücher

In den Epochenfächern wird meist auf herkömmliche Lehrbücher verzichtet. Je nach Klassensituation erhalten die Schüler den Stoff vom Lehrer dargeboten oder er stellt oft auch gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern dem Alter entsprechendes Unterrichtsmaterial zu eigenständiger Arbeit zusammen. Als Extrakt jeder Epoche fertigt jeder Schüler „sein Epochenheft" an, in dem die wichtigsten Ergebnisse festgehalten werden. Diese Epochenhefte können durchaus individuell ausgestaltet sein und stellen für den Schüler sozusagen sein selbstgefertigtes „Lehrbuch" dar.

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